Bremen, April 2008 - Neben der visuellen Navigation müssen Sensor- und Rasterdienste künftig auch Prozessierungs-, Extraktions- und Analysefunktionalität bieten. Das Open GeoSpatial Consortium (OGC) hat dafür jetzt den Web Coverage Processing Service (WCPS) Standard veröffentlicht. WCPS bietet eine flexible Web-Anfragesprache für multi-dimensionale Rasterdaten.
WCPS definiert eine Raster-Anfragesprache als Zugangsschnittstelle, mittels derer eine Anwendung unbeschränkt komplexe Anfragen auf multi-dimensionalen Sensor-, Bild- und Statistikdaten formulieren kann. Dabei erlaubt WCPS eine mengenorientierte Verarbeitung ebenso wie das Verknüpfen mehrerer Rasterobjekte, beispielsweise für den Einsatz in der Sensorfusion. Insbesondere für das Katastrophen-Management ist WCPS künftig ein wichtiger Baustein, da die Requests nicht vorgefertigt sein müssen, sondern eine adhoc-Interpretation von Rasteranfragen erfolgt. Die exakte Semantik-Definition erlaubt automatisches Service-Chaining.
Unter dem Codenamen CubeScape entsteht an der Jacobs University Bremen die Referenzimplementierung von WCPS. Darin enthalten ist auch eine Implementierung von WCS und WCS-T in ihrer aktuellsten Version; damit stellt es die derzeit einzige Implementierung aller Standards der WCS-Suite dar. CubeScape wird in Kürze unter Open Source Konditionen frei verfügbar sein.
Im Dezember 2008 erfolgte die elektronische Abstimmung im OGC mit überwältigender Zustimmung, unter anderem von AdV, ESRI, Oracle, Shell, EADS, European Union Satellite Centre, NOAA und US Department of Defence. Nach letzter editorischer Überarbeitung ist der Standard jetzt unter www.opengeospatial.org/standards/wcps abrufbar.
WCPS wurde der Leitung von Prof. Peter Baumann und mit Beteiligung von US-Experten an der Jacobs University Bremen entwickelt, basierend auf den langjährigen Erfahrungen mit der Raster-Datenbank rasdaman. Auf der Intergeo 2008 in Bremen wurde ein Prototyp von CubeSpace der Öffentlichkeit vorab vorgestellt. Mit Förderung der BIG Bremen wurden auf www.earthlook.org Demonstrationsanwendungen und ein Einführungsvideo erstellt.
"Software- und Datenanbieter können künftig wählen", erklärt Peter Baumann. "Mit WCS steht die Basisfunktionalität für den Zugriff auf Rasterarchive zur Verfügung, während WCPS zusätzlich flexible Verarbeitungsleistung auf denselben Datenvorräten bietet."
Der Quellcode der Referenzimplementierung wird nach Fertigstellung kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. NASA sowie eine Reihe von Daten- und Softwareanbietern haben bereits großes Interesse an WCPS gezeigt. Amerikanische Unternehmen prüfen derzeit, eigene WCPS-Implementierungen auf den Markt zu bringen.
"Auf Basis der klar definierten Funktionalität von WCPS interessiert uns besonders Performance-Optimierung - hier konnten mit teilweise patentierten Methoden bereits erstaunliche Resultate gemessen werden", so Peter Baumann. In einem internationalen Team erforscht er unter anderem intelligente Beschleunigungstechniken auf kostengünstiger Hardware.
Wie der Name WCPS bereits andeutet, verbindet der Dienst WCS und Web Processing Service (WPS). Aus Sicht des WCS wird die Basis-Zugriffsfunktionalität um Anfragefunktionalität erweitert. Für WPS fügt WCPS einen Dienst hinzu, der erstmals semantische Interoperabilität auf Rasterdaten erlaubt, da die maschinenlesbare Sermantik automatisches Auffinden, Kaskadierung und Orchestrierung unterstützt. Gleichzeitig komplettiert WCPS die Abfragedienste auf den Geo-Basisdatentypen, analog zum Filter Encoding des Vektordienstes WFS und der OGC Common Query Language des Metadatendienstes CS-W.
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